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Alkohol, Drogen und Medikamente im Straßenverkehr

Bei fast jedem zweiten Nachtunfall ist mittlerweile Alkohol im Spiel, mindestens jeder fünfte Verkehrstote ist dabei Opfer eines Alkoholunfalls, das bedeutet in Zahlen ca. 1.800 Tote und 49.000 Verletzte pro Jahr.

In Deutschland ist die Teilnahme am Straßenverkehr mit einer BAK (Blutalkoholkonzentration) von 0,5 bis 0,8 Promille seit dem 01. April 1998 eine Verkehrsordnungswidrigkeit. Aber bereits ab 0,3 Promille ist eine merkliche Einschränkung der Fahrtauglichkeit wissenschaftlich belegt.

Zwischen 0,8 und 1,1, Promille müssen zur strafrechtlichen Relevanz alkoholbedingte Ausfallerscheinungen hinzutreten, andernfalls kommt auch hier eine Verkehrsordnungswidrigkeit in Betracht.

Ab 1,1 Promille gilt man unabhängig vom konkreten Fahrverhalten als absolut fahruntauglich.

Die Formel für die Promille-Berechnung nach Widmark lautet:

c = A : ( p x r)

c steht hierbei für die Blutalkoholkonzentration,
A für die insgesamt in Gramm aufgenommene Alkoholmenge
p für das Körpergewicht in kg und
r für den Reduktionsfaktor, der bei Frauen und dickeren Männern 0,6, bei Männern 0,7, und bei dünnen Menschen 0,8 beträgt.

Stündlich werden ca. 0,10 bis 0,15 Promille abgebaut, dies ist aber - insbesondere in der Kombination mit Medikamenten oder Drogen - so nicht ohne weiteres kalkulierbar, da auch andere Faktoren, wie zum Beispiel Müdigkeit und momentane Konstitution, auch eine Rolle spielen.

In der sog. Anflutungsphase, in den ersten beiden Stunden nach der Alkoholaufnahme, wird zudem kein Abbau angenommen, da der menschliche Körper erst nach einer gewissen Zeit den Alkohol absorbiert.

Bei einer Ordnungswidrigkeit, d.h. ab 0,25 mg/l Alkohol in der Atemluft, 0,5 Promille im Blut oder einer Alkoholmenge im Körper, die zu einer solchen Konzentration führt, drohen nach § 24 a StVG Geldbußen bis zu 1.000,- DM, ab 0,4 mg/l Atemalkohol, 0,8 Promille im Blut oder einer Alkoholmenge im Körper, die zu einer solchen Konzentration führt, Geldbußen bis zu 3.000,- DM, und zwar in der Regel bei Ersttätern 500,- DM und ein Monat Fahrverbot, bei Wiederholungstätern 1.000,- DM und drei Monate Fahrverbot und bei Mehrfachtätern 1.500,- DM und drei Monate Fahrverbot.

Bei einer BAK zwischen 0,5 und 0,8 Promille drohen 2 Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg und 200,- DM Geldbuße(bei fahrlässiger Begehung), ein Fahrverbot droht hier erst im Wiederholungsfall.

Bei der Straftat Trunkenheit im Verkehr drohen nach § 316 StGB Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe, bei einer Gefährdung des Straßenverkehrs nach § 315 c StGB, d.h. bei Sach- oder Personenschäden oder konkreter Gefährdung von Menschen oder Sachen, sogar Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Hier folgt in der Regel auch die Entziehung der Fahrerlaubnis mit Anordnung einer Sperre für die Wiedererteilung von 6 Monaten bis zu 5 Jahren.

Dazu kommen jeweils 7 Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg, sowie der Schadensersatz und das Schmerzensgeld, das an die Verletzten zu zahlen ist.

Bei erheblicher Alkoholisierung, d.h. ab 1,1 Promille, riskieren Sie im übrigen auch Ihren Versicherungsschutz aus der Kfz-Haftpflicht- oder Vollkaskoversicherung.

Auch Mofa- und Fahrradfahrer, die mit einer erheblichen BAK im Straßenverkehr auffallen, riskieren den Entzug ihrer Fahrerlaubnis, da ihre generelle Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr damit in Frage gestellt sein kann.

Übrigens sind die Strafen in anderen Ländern z. T. weniger abgestuft, auch gibt es z. T. andere Promillegrenzen:

0,0 in Estland, Kroatien, Litauen, Malta, Russland, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland, Zypern

0,2 in Polen, Schweden

0,5 in Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland, Island, Jugoslawien, Lettland, Mazedonien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Serbien, Slowenien, Spanien

0,8 in Großbritannien, Italien, Irland, Liechtenstein

Eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat begeht im übrigen nicht nur derjenige, der betrunken ein Kfz führt, sondern auch derjenige, der infolge anderer berauschender Mittel nicht fahrtauglich ist.

In der Anlage zum § 24 a StVG sind dabei folgende berauschende Mittel und ihre Substanzen genannt:

Cannabis
Heroin
Morphin
Kokain
Amphetamin
Designer-Amphetamin
Designer-Amphetamin
THC (Tetrahydrocannabinol)
Morphin
Morphin
Benzoylecgonin
Amphetamin
MDE (Methylendioxyethylamphetamin)
MDEA (Methylendioxymethamphetamin)

Eine Teilnahme am Straßenverkehr kann aber auch zumindest fahrlässig sein, wenn man unter dem Einfluss von Medikamenten steht, die als Nebenwirkungen Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen o.ä. angeben oder sogar von einer Teilnahme am Straßenverkehr abraten.

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